Die Geschichte von „bricoler“
Vor dem Werkzeugkasten bewegte sich „bricoler“ auf Umwegen
Heute erinnert das französische Verb an kleine Reparaturen und improvisierte Handarbeit. Seine belegte Geschichte beginnt bei einer Kriegsmaschine und führt über Abpraller und Ballspiele bis in die Werkstatt.
Am Anfang stand eine Steinschleuder
Der erste belegte Schritt gehört zum Substantiv „bricole“. Das TLFi verzeichnet 1360 „brigole“ für eine Art Katapult mit schwingendem Wurfarm; 1372 ist die Schreibung „bricole“ belegt.[1]
Die Académie française führt diese historische Bedeutung weiterhin: Eine bricole war eine mittelalterliche Balliste. Sie leitet das Wort vom italienischen „briccola“ für eine Kriegsmaschine ab.[3]
Dann begann das Wort abzuprallen
1583 konnte „bricole“ einen Zickzackweg oder Abpraller bezeichnen. 1611 gelangte es in die Sprache des Jeu de Paume, 1694 in die des Billards: Der Ball erreicht sein Ziel erst nach dem Kontakt mit Wand oder Bande.[1],[3]
Das Verb „bricoler“ ist 1480 im Sinn von hierhin und dorthin gehen belegt. 1611 bezeichnete es das Spiel über die Bande, 1616 einen Abpraller. Umwege gehörten Jahrhunderte früher zum Wort als Schraubenzieher.[2]
Aus dem Umweg wurde eine indirekte Methode
Die kleinen Arbeiten kamen zuletzt
Im 19. Jahrhundert nähert sich die vertraute Bedeutung dem heutigen Gebrauch. Vor 1859 ist „bricoler“ für kleine Arbeiten belegt. 1919 bezeichnet es das einfallsreiche Reparieren oder Herrichten mit vorhandenen Mitteln.[2]
Das Substantiv „bricolage“ kam noch später: Das TLFi belegt es 1927, die Académie ordnet es als Ableitung des 20. Jahrhunderts ein. Im modernen Wort lebt damit noch ein Teil des alten Weges fort: ein Ergebnis über einen indirekten Pfad zu erreichen.[2],[6]
Verwendete Quellen
Die Daten bezeichnen die frühesten von diesen Quellen erfassten Belege, nicht zwingend den ersten mündlichen Gebrauch. Die Chronologie zeigt mehrere Bedeutungszweige, keinen belegten direkten Sprung von der Katapulttechnik zum Heimwerken. Unsichere ältere Herkunftsvorschläge lassen wir aus.
- [1]« Bricole » : étymologie et attestations historiques
Trésor de la langue française informatisé · CNRTL
- [2]« Bricoler » : étymologie et évolution des sens
Trésor de la langue française informatisé · CNRTL
- [3]« Bricole », 9e édition
Dictionnaire de l’Académie française
- [4]« Bricole » et « bricoler », 1re édition de 1694
Dictionnaire de l’Académie française
- [5]« Bricoler », 3e édition de 1740
Dictionnaire de l’Académie française
- [6]« Bricolage », 9e édition
Dictionnaire de l’Académie française